Heute kam die Zurück in die Zukunft DVD-Box an, zu deren Erwerb ich mich endlich mal durchringen konnte. Nachdem ich Pfingsten den ersten Teil gesehen habe, habe ich nach langer Zeit heute mal wieder den zweiten gesehen, der die Zukunft im Jahre 2015 zeigt (was aus heutiger Sicht ja schon in 7 Jahren ist – und ich sehe immer noch nichts von Hoverboards) und was für ungünstige Szenarien eintreten können, wenn man den Verlauf der Geschichte zu sehr manipuliert. Das brachte mich auf die Idee, das Thema Zeitreisen und die daraus erwachsenden Probleme mal zu diskutieren. Es sei allerdings direkt gesagt, dass ich wissenschaftlich nicht bewandert bin auf diesem Gebiet und viele Überlegungen lediglich meine eigenen wirren wunderlichen Gedanken zu dem Thema sind.
Bevor man sich den aktuellen Stand der Wissenschaft anschaut, muss man bei Zeitreisen zwischen Reisen in die Zukunft und Reisen in die Vergangenheit unterscheiden.
Reisen in die Zukunft
Wissenschaftliche Betrachtung
Nach den Aussagen der Relatitvitätstheorie sind Reisen in die Zukunft möglich und haben auch bereits stattgefunden, allerdings ist die Betrachtung des Ergebnisses meist von einem falschen Verständnis der Zeit an sich verzerrt. Eine Aussage ist beispielsweise, dass der Verlauf der Zeit abhängig von den Gravitationseigenschaften eines beobachteten Systems ist. Je stärker die Gravitation auf einen Ort wirkt, umso langsamer vergeht die Zeit an diesem Ort. Dieser Effekt lässt sich nachweisen, indem man zwei Atomuhren nimmt, die eine absolut identische Zeit anzeigen und die eine auf Normalnull positioniert und die andere auf einen hohen Berg, z.B. in die Alpen, schafft. Wenn man den Uhren nun lange genug Zeit gibt, z.B. ein Jahr oder mehr, wird man feststellen, dass beide voneinander abweichende Zeiten anzeigen. Die Abweichungen sind minimal, aber existent. Diesen Effekt bezeichnet man als gravitative Zeitdilatation. Der bisher am weiten “in die Zukunft gereiste” Mensch ist der Kosmonaut Sergei Krikaljow, der mit 803 Tagen im All am längsten geringerer Gravitation ausgesetzt war als jeder andere Mensch. Rein rechnerisch ist er damit angeblich etwa eine Fünfzigstelsekunde in die Zukunft gereist.
Dieser Effekt wurde allerdings durch die Bewegung seiner Raumstation (Krikaljow war der Kosmonaut der beim Zusammenbruch des Ostblocks in der Mir “vergessen” wurde) noch verstärkt, dies ist die Auswirkung der allgemeinen Zeitdilatation, die durch die relative konstante Geschwindigkeit eines Systems zu einem anderen hervorgerufen wird. Dieses Phänomen macht auch längerfristige Raumflüge “gefährlich”, denn je länger und schneller ein Raumschiff sich von seinem Startpunkt entfernt, desto größer wird die Zeitdifferenz zwischen dem Raumschiff und dem Startpunkt. Während z.B. auf dem Raumschiff nur ein paar Jahre vergangen sind, sind am Startpunkt bereits ein paar Jahrzehnte vergangen (das ist eine theoretisches Beispiel und die Kennzahlen habe ich “unterschlagen”). Die Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit verstärkt diesen Effekt und es lässt sich zumindest rechnerisch darlegen, dass bei nahezu Lichtgeschwindigkeit die Zeit in Relation zu anderen, langsameren Systemem, nahezu stehenbleibt.
Wissenschaftlich gesehen sind Zeitreisen in die Zukunft also hypothetisch denkbar, allerdings basieren sie nicht auf einer schnelleren Fortbewegung in der Zeit als alle anderen, sondern auf dem genauen Gegenteil, dem langsameren Verstreichen der Zeit im Gegensatz zu anderen Systemen.
Unwissenschaftliche Betrachtung
Bei Reisen in die Zukunft, die in Filmen und Büchern geschildert werden, stellt sich mir immer die Frage, woher genau die Ausprägung der jeweiligen Zukunft gekommen sein soll, wenn diese ja streng genommen noch gar nicht stattgefunden hat. Diesen Aspekt möchte ich gerne ein wenig erläutern, um mögliche Erklärungsansätze leichter verstehen zu können. Und ja, nüchtern betrachtet sind alle diese Überlegungen überflüssig, ich finde sie aber als Gedankenexperiment recht ansprechend (ja, mir gehts noch gut).
Es hilft hier ein wenig, sich daran zu erinnern, dass die Definition des Jetzt immer vom Blickwinkel abhängt. Löst man sich vom Begriff des Jetzt und betrachtet den Verlauf der Zeit aus einiger Distanz, hilft dies bei dem (meinem) Verständnis des Zeitreisens. Das, was man selber als Gegenwart wahrnimmt, ist relativ zur eigenen Position auf dem “Zeitstrahl” (eine Erkenntnis, die zur Zeit lustigerweise auch bei meiner Arbeit eine Rolle spielt, allerdings im Zusammenhang mit Rechtsständen von Gesetzen). Man könnte schnell auf den Gedanken verfallen, dass der einzige Schluss aus dieser Erkenntnis der ist, dass bereits alles in irgendeiner Form vorherbestimmt sein muss, die Begriffe Schicksal und Zufall kommen ins Spiel.
Man kann allerdings auch einen anderen Ansatz verfolgen, der seinen Ursprung in der Quantenmechanik hat. In der Quantenmechanik wird ein System durch eine sog. Wellenfunktion beschrieben die Annahmen über den Zustand des Systems zulässt. Im unbeobachteten Zustand ist es nicht möglich zu sagen, welchen Zustand das System jetzt genau hat, denn es hat theoretisch alle Zustände gleichzeitig. Der Zustand lässt sich durch eine Messung ermitteln. Durch die Messung kollabiert das System zeitverzögerungsfrei und nimmt einen bestimmbaren Zustand an. Diesen Effekt nennt man Zustandsreduktion oder Kollaps der Wellenfunktion, er wird schön durch das Gedankenspiel Schrödingers Katze dargestellt. Was hat das mit Zeitreisen zu tun? Begreift man die Welt als quantenmechanisches System, lässt sich eine Zeitreise evtl. als kontinuierliche Zustandsmessung interpretieren, die dann durch den kontinuierliche Kollaps der möglichen Varianten (der ja ohne Zeitverzögerung stattfindet) den Pfad für die Zukunft vorzeichnet. Man könnte nun auch übermütig werden und den Begriff der Zeit bzw. die Wahrnehmung des Verstreichens von Zeit auch dieser “Kollaps-Kette” unterordnen, d.h. die im System gefühlte Zeit ist auch abhängig vom jeweiligen Zustand des Systems. Dann spräche man nicht mehr vom Begriff der Zeitreise, sondern eher von einer Art “Zustandsreise”.
Man kann dieses Gedankenexperiment dann noch um die Viele-Welten-Interpretation erweitern, um es noch interessanter und abgedrehter erscheinen zu lassen. Die VWI geht davon aus, dass der Kollaps der Wellenfunktion eine Illusion ist und jede Messung oder Beobachtung einer Wellenfunktion diese dazu bringt, sich in zwei wechselwirkungsfreie “Welten” zu teilen, in denen entweder der eine oder der andere Zustand eingetreten ist. Bedingt durch kontinuierliche Messungen müssten demnach extraorbitant große (sprich unendliche) Mengen an Parallelwelten existieren, die jede einen anderen Verlauf der Geschichte enthalten können. Vor diesem Hintergrund erscheinen Zeitreisen in die Zukunft für mich zumindest gedanklich nicht mehr so abwegig. Auf diesem Grundgedanken basiert übrigens die Serie Sliders, auch wenn die wissenschaftlichen Hintergründe eigentlich nie Thema sind.
Die VWI wird auch in den (meinen unwissenschaftlichen) Betrachtungen der Reisen in die Vergangenheit eine Rolle spielen, da sich mit ihr Erklärungen für die Effekte bei Kauslitätsverletzungen finden lassen.
Huch, schon so spät… wenn dem so ist, verschiebe ich meine Elaborationen über Zeitreisen in die Vergangheit in die Zukunft und schließe mit einem Futurama-Zitat:
Oh, everybody listen! A lesson in not changing history from Mr. I-am-my-own-grandfather!
– Prof. Farnsworth, aus der Episode “Roswell that ends well”
Tags: film, Gedanken, Philosophie, quantenmechanik, sliders, wissenschaft, zeitreisen, zukunft









#1 von Christian Neugebauer am 16. Mai 2008 - 10:31
Ich finde das Thema auch sehr interessant, und habe daher vor einiger Zeit das Buch von Stephen Hawking “Eine kurze Geschichte der Zeit” gelesen. Wer noch mehr von der Zeit und dem ganzen drum und dran aus wissenschaftlicher Sicht verstehen will, dem würde ich auf jeden Fall das Buch empfehlen. Es beschränkt sich auf eine Formel (E=mc2) und ist auch ohne viel Vorkenntnisse lesbar.
http://www.amazon.de/Eine-kurze-Geschichte-rororo-Taschenb%C3%BCcher/dp/3499605554