Rundumschlag (sprich: Schnauze voll)

Ich traue mich in letzter Zeit schon nicht mehr, die Nachrichten zu lesen. Jeden Tag fährt jemand anders sein Geschäft vor die Wand oder wird vor die Wand gefahren, jene Wand, die in etwa so plötzlich auftauchte wie die Dampfwalze in Austin Powers. Und jeder schreit nach dem Staat, und immer geht es um die Gesellschaft, die Arbeitsplätze, um Deutschland, und welchen Schaden es nehmen würde, wenn der eine oder andere risikofreudige Unternehmer von der Bildfläche verschwinden würde. Notkredit hier, Staatsbürgschaft da, nehmt das Geld, denn wir haben es ja. Auf einem anderen Sender kann ich mir ansehen, wie Leute vom Ordnungsamt Sozialschmarotzer kontrollieren, um zu prüfen, ob es nicht doch vielleicht bedürftige Mitbürger sind. Ja, so herum läuft die Kennzeichnung durch die Ämter. Wie nackig man sich da für ein paar lumpige hundert Euro im Monat machen muss, ist unbeschreiblich. Der anderen Seite der Gesellschaft hingegen steht der Staat gerne bei, ohne Prüfung, ohne Strafen, einfach nur mit nem fetten Scheck, ohne geklärt zu haben, ob man die Kohle jemals wieder bekommt und wie das überhaupt von statten gehen soll. Denn von Zockern hängen mehr als nur ein paar hungrige Blagen ab, die die Schule schwänzen und sich auf der Straße prügeln, weil das Leben ihnen sowieso nichts bieten wird. Und oben verzichtet niemand auf seine Boni und keiner sagt mal „hey, da haben wir wirklich Mist gebaut“. Die werfen einfach wieder nen Euro von Papi in den Spielautomaten und weiter gehts mit nem neuen Leben. Dem normalen Selbstständigen greift auch keiner unter die Arme in einer Notsituation. Ganz im Gegenteil sogar. Als eine Art Strafe für seinen Missstand nimmt man ihm auch noch seine Altersvorsorge weg, wenn er arbeitslos wird. Wie krank ist das?

Und das hört da ja nicht auf (ich bin gerade in Fahrt). Wenn die Prognosen stimmen, werden wir bzw. unsere Kinder in 50 bis 100 Jahren auf diesem Felsen im All verrecken, weil die Umwelt uns nicht mehr verkraftet. Dieser Prozess ist hausgemacht, die Menschen sind schuld und aus meiner Sicht in der Pflicht, hier was zu tun. Aber die, die was tun könnten und müssten, stellen sich entweder auf den schwachsinnigen Standpunkt, die Prognosen seien falsch, oder argumentieren, Umweltmaßnahmen belasten derartig die Wirtschaft, dass es unverantwortlich sei, sie umzusetzen. Beispiel: die EU-CO2-Vorgaben und die deutsche Autoindustrie. (Und bevor die Unkenrufe losgehen: ja, ich bin mir bewußt, dass Individualverkehr einen eher geringen Anteil an der Erzeugung von Treibhausgasen hat, aber die Grundeinstellung sowie die Argumentation ist a) bemerkenswert und b) in gleicher oder ähnlicher Form bei allen Industriezweigen zu finden. Und außerdem ist das hier mein Blog…). Was ist also passiert: die EU hat sich zu Grenzwerten für den CO2-Ausstoß von Neuwagen durchgerungen (eigentlich verwunderlich, wenn man überlegt, wie massiv die Lobbyarbeit auf EU-Ebene ist und wie wenig die „Volksvertreter“ solche Themen normalerweise interessieren). Da fängt die deutsche Autoindustrie an zu lamentieren, sie würde durch die EU unverhältnismäßig hart getroffen, man baue halt große schwere Autos, da könne man derartige Grenzwerte gar nicht drauf anwenden. Stattdessen wird eine Staffelung nach Gewicht verlangt. Was für ein Irrsinn! Weil man es schlicht und ergreifend fahrlässig verpennt hat, sich rechtzeitig um alternative Antriebe und sparsame Motoren zu kümmern, verlangt man jetzt nach einer Extrawurst. Mit solchen Maßnahmen werden Spritfresser wie der Porsche Cayenne oder der Audi Q7 dann plötzlich zu klimafreundlichen Fahrzeugen mutieren. Das ist gerade in der auf sechs Monate befristeten Erlassung der Kfz-Steuer passiert. Wer einen Smart kauft, spart um die 100 Euro. Wer einen Q7 kauft, spart hingegen mehr als 1000 Euro. Bin ich der Einzige, der sich bei sowas an den Kopf fasst?

Ich merke gerade, ich kann gar nicht genug meckern. Meine Krankenkasse wird (merklich) teurer. Gesundheitsfond sei Dank. Was ich davon habe? Nichts. Halt doch: ich habe den Ausblick auf eventuelle Rückzahlungen. Hahahaha. Ich habe wohl eher Aussicht auf Nachzahlung, wenn die Krankenkasse nicht mit dem Geld, dass man ihr zahlt, auskommt. Das wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Vielleicht sollte ich schonmal Rücklagen bilden.

Mit dem BKA-Gesetz will ich gar nicht anfangen. Ich verweise hier einfach mal auf den Hessischen Rundfunk. Wen bitte schützt denn dieses Gesetz? Oder der Ausweis mit biometrischen Merkmalen und Fingerabdrücken? Was nützt mir bitte der RFID-Chip in meiner Kreditkarte oder die geplante „sichere“ und vor allem transaktionsgeeignete Bürgermail? Wenn die missbraucht wird steht man im Regen. Denn die ist ja per Definition sicher und vor allem bindend. Kann ich selber keinen Missbrauch nachweisen, hafte ich voll für die Konsequenzen des Missbrauchs, denn es gibt (rein argumentativ) gar keine Möglichkeit, dass ich nicht derjenige war, der eine Transaktion mit der Mail bestätigt hat.

Und ja, dieser Post mag merkwürdig anmuten. Aber wenn ich sowas nicht schreiben darf oder kann, wozu nennt sich dieses Ding hier dann Blog?

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4 Antworten für “Rundumschlag (sprich: Schnauze voll)”

  1. Bodo 20. November 2008 um 10:34 #

    Siehe auch :

    http://edition.cnn.com/2008/US/11/19/autos.ceo.jets/index.html?eref=rss_latest

    „There is a delicious irony in seeing private luxury jets flying into Washington, D.C., and people coming off of them with tin cups in their hand, saying that they’re going to be trimming down and streamlining their businesses,“ Rep. Gary Ackerman, D-New York, told the chief executive officers of Ford, Chrysler and General Motors at a hearing of the House Financial Services Committee.

    „It’s almost like seeing a guy show up at the soup kitchen in high hat and tuxedo. It kind of makes you a little bit suspicious.“

    Ein paar der Republikaner und Demokraten in den USA scheinen es gecheckt zu haben ;).

  2. Christian 20. November 2008 um 15:36 #

    Vielleicht besteht noch Hoffnung.

    http://www.teleboerse.de/1054946.html

    Wenn ich diesen Beitrag richtig verstehe, dann bedeutet dies:
    a) ein Bonus ist nicht unbedingt an eine Leistung gebunden
    b) der Bonus der 433 (so viele?) Manager der Goldman Sachs beläuft sich im Durchschnitt auf 25.404.157,04$ / Nase
    c) es gibt noch 426 weitere Manager, die nicht auf die Boni verzichten?

    Irgendwie stellen sich mir gerade einige Fragen:
    a) Wieso braucht man 859 Manager in einer Bank
    b) Wieso bekommen die 21.822.170.900,69$ Boni
    c) Wie können die bei diesen Bonizahlungen, die ja zusätzlich zu den lächerlichen 600.000$ Grundgehalt gezahlt werden, der Bank noch mehr geld einbringen, als sie kosten?

    Christian

  3. Hendrik Busch 20. November 2008 um 16:00 #

    @Christian

    Die Managerzahlen stimmen so nicht. Es gibt da 433 Manager, von denen sieben erklärt haben, dass sie auf ihre Boni verzichten. Bleiben noch 426 andere Manager, die die Boni mitnehmen.

  4. David 24. November 2008 um 14:47 #

    Full ACK!
    So einen großen Eimer kanns gar nicht geben!

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