PC und PS3 – Zwei Kulturen


Seit dem Wochenende besitze ich neben einem spieletauglichen PC auch eine Playstation 3. Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Kulturen beider Systeme so sind.

Die Playstation ist natürlich ein geschlossenes System, es gibt ein festes Betriebsystem und Sony achtet als Hersteller darauf, dass nur lizensierte Software darauf läuft. Das hat seine Vorteile: die Software läuft in jedem Fall und es lassen sich alle Spiele bequem zentral aktualisieren, falls mal Patches verfügbar sein sollten. Das hat natürlich auch potentielle Nachteile, die ich bei einer Spielekonsole aber verschmerzen kann.

Gesteuert wird die PS3 über ein Menüsystem namens XMB, dem Cross Media Bar, dass sich angenehm bedienen lässt, alle Steuerungs- und Einstellungsmöglichkeiten sind leicht erreichbar. Und davon gibt es genügend. Unterm Strich habe ich den Eindruck, dass die PS3 in ihrer Funktion als Blu-Ray-Player leichter konfigurierbar ist, als mein normaler DVD-Player. Lediglich die Bedienung während der Wiedergabe ist mit dem Sixaxis-Controller etwas umständlich – aber hierfür bietet Sony eine “filmgefälligere” Fernbedienung an.

Hier sind wir direkt bei der nächsten Besonderheit: die PS3 ist komplett drahtlos (mal abgesehen von Strom, HDMI und vielleicht optischem Audio), sie unterstützt Wireless LAN und die eigentlicher Controller werden alle per Bluetooth angebunden. Das ist sehr angenehm, da man sich nicht mehr um eine direkte Sichtlinie bemühen muss. Legacy-Controller wie z.B. die Singstar-Mikrofone aber auch Tastaturen oder externe Festplatten werden per USB angeschlossen. Ein paar mehr Ports als zwei hätten es aber schon sein können. Denn es gibt noch “Mischcontroller”, die zwar drahtlos sind, aber kein Bluetooth sprechen sondern proprietäre Funkhardware nutzen, die dann doch wieder per USB angeschlossen werden muss. Ein Beispiel ist hier z.B. die komplette Controllerpalette für Guitar Hero. Mit zwei Gitarren, dem Drumkit und dem Mikrofon bräuchte man 4 USB-Steckplätze. Immerhin hat einer der Adapter einen zusätzlichen Zwei-Port-Hub, sonst bekäme man die gar nicht alle unter. Unterm Strich würde ich mir Onboard-Bluetooth auch für jeden PC wünschen, denn was bei Notebooks schon Standard ist, ist bei Desktop-PCs eher die Ausnahme.

Ein negatives Kapitel bei der PS3 ist die Preisgestaltung. Die Konsole selber ist schon die teuerste am Markt (im Vergleich zu XBox und Wii), diese Kosten sind aber erträglich, wenn man überlegt, dass man auch noch einen Blu-Ray-Player dazu, der regelmäßig mit neuer Software versorgt wird (das ist nicht selbstverständlich – mich würde interessieren, wieviele Player schon im Umlauf sind, die gar nicht mehr alle Blu-Rays spielen können). Für einen solchen Player müsste man alleine schon 200 Euro hinlegen, von da her ist das Preis-/Leistungsverhältnis trotzdem gut.

Ungemütlicher wirds da schon beim Zubehör. Ein Sixaxis/Dualshock 3-Controller wird mitgeliefert, ein weiterer schlüge mit happigen 60 Euro zu Buche. Die Blu-Ray-Fernbedienung ist für 30 Euro zu haben, eine EyeToy genannte Webcam ist für etwa 40 Euro zu haben.

Der absolute Hammer für mich als PC-Nutzer ist aber der Preis für die einzelnen Spiele. Aktuelle Spiele wie z.B. Mirror’s Edge stehen bei einschlägigen Elektronikmärkten für bis zu 70 Euro im Regal, online sind sie etwa 10 Euro günstiger zu bekommen. Die PC-Äquivalente, so denn verfügbar, kosten meist 15 bis 20 Euro weniger. Ich führe dies mal darauf zurück, dass alle Spiele durch Sony lizensiert werden müssen und der Aufwand, sein Spiel für PS3 zu veröffentlichen höher ist (z.B. Blu-Ray als Medium anstelle von DVD). Aufgrund des vergleichsweise geringen Alters der Playstation 3 und der immer noch gegeben Verfügbarkeit der Playstation 2 gibt es wenig bis gar keine “Low-Budget-Titel” und selbst die kosten immer noch ca. 25 Euro (zum Vergleich: ältere PC-Titel kosten meist 10 bis 15 Euro).

Dann wäre da noch das Playstation-Netzwerk PSN, die Community-Plattform der Playstation, ohne die heutzutage keine Konsole mehr auskommt. Ähnlich wie mit der Steam-Plattform für den PC, lassen sich damit Videos und Demos aber auch ganze Spiele herunterladen bzw. erwerben. Für Spiele, die man bereits besitzt, lassen sich Zusatzinhalte erwerben, z.B. zusätzliche Songs für Guitar Hero. Die Preise variieren, sind aber üblicherweise recht happig (Beispiel: Einzelne Songs für GHWT kosten ca. 2 Euro, das einzige bisher verfügbare Album, Death Magnetic von Metallica, kostet 18 Euro, mehr als die CD im Handel kostet).

Soweit zu den positiven Seiten des PSN. Passend zur heutigen Zeit ist die Playstation und auch das PSN eine riesige Datenkrake. Die Playstation an sich protokolliert schon, wann sie eingeschaltet wurde, wie lange sie an war und was damit so gemacht wurde. Mit dem PSN-Konto können diese Informationen dann bequem mit den persönlichen Daten verknüpft werden. Insgesamt enthalten die Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien die Klauseln, die heute schon weit verbreitet sind (eigentlich erschreckend):

  • es wird Software verwendet, um die Ausführung “unautorisierter Software” (sprich Raubkopien und Grau- bzw. Parallelimporte) zu unterbinden (EULA, Abschnitt 3)
  • die exklusiven Verwertungsrechte für durch den Benutzer online gestellte Materialien liegt bei Sony und der Benutzer geht dabei leer aus (PSN EULA, Abschnitt 10)
  • bei der Anmeldung ans PSN werden Hardwareinformationen, Nutzerinformation und Nutzungsinformationen übertragen (PSN Datenschutzrichtlinie, Abschnitt 3)
  • Der Zugriff auf die Daten wird zahlreichen Unternehmen ermöglicht, mit denen Sony Beziehungen unterhält (das ist insofern prekär, da auch Ingame-Werbeunternehmen zu diesen Firmen gehören) (PSN Datenschutzrichtlinie, Abschnitte 4 & 5)
  • Es wird Ingame-Werbung verwendet (in ausgewählten Spielen) und entsprechend ausgewertet (PSN Datenschutzrichtlinie, Abschnitt 7)
  • Die komplette Kommunikation über PSN kann aufgezeichnet werden (PSN Datenschutzrichtlinie, Abschnitt 8)

Aber solche Klauseln ist man ja auch schon von Google Chrome oder anderen Produkten gewohnt. Aber was will man machen? Den Dienst nicht nutzen ist auch keine wirklich gute Lösung. Also ist man mal wieder in dem Datenschutz-kontra-Dienstleistung-Dilemma.

Zum Schluß noch was interessantes: aus dem Handbuch habe ich gelernt, dass man die WLAN-Funktionalität in einem Umkreis von 20 Kilometern um das Stadtzentrum von Ny-Ålesund (Norwegen) nicht verwendet werden darf. Warum? Der englische Wikipedia-Artikel gibt Aufschluss: die haben eine riesige Antenne für Very Long Baseline Interferometry, die von WLAN-Geräten gestört würde.

Tags: blu-ray, datenschutz, playstation 3, software, spiel

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  1. #1 von troschan - 10. Dezember 2008 zu 15:29

    Die alten PS3 Versionen haben gar noch 4 USB Ports und konnten auch PS2 Spiele abspielen. So ein Ding habe ich noch zu Hause stehen, sogar mit integriertem Kartenleser. :-)
    Der Kostendruck (die PS3 kostet ja lange Zeit gar 600?) war aber so hoch, dass Sony um jeden Cent die Hardwarekosten senken musste… Das es die beiden USB Ports getroffen hat ist definitv eine schlechte Entscheidung gewesen, vor allem da das PS3 Zubehör (Controller & Headsets) ja auch darüber aufgeladen wird, bzw. vieles darüber angeschlossen werden muss. Grundsätzlich hätten auch ruhig 2 USB Ports auf die Rückseite wandern können, zB für die Kamera…

    Die Preise der Spiele sind schon viel erträglicher falls man am Besten gar nicht erst probiert bei MediaMarkt oder Saturn etwas günstiges zu bekommen. Angebote bekommt man manchmal bei Amazon.de, oft ist dies aber auch einfach zu teuer.

    Da bleibt nur eines:
    Bei play.com oder amazon.co.uk einkaufen. So bekam man Little Big Planet für 20 Pfund, Haze für 8 Pfund, Resistance 2 für 35 Pfund, etc. Man spart selbst mit den Versandkosten bei Amazon.co.uk deutlich. Und das Beste PS3 Games kennen, im Gegensatz zu Blue Ray Filmen keinen Regionalcode und viele europäische Versionen sind multilingual.

    Die reduzierten Preise bei Konsolenspielen sind immer deutlich höher als bei PC Games. Im Normalfall sinken Konsolenspiele in D selten unter die 25 ? Marke, 30 ? ist der klassische “Plantinum”-Preis. Diese Games bekommt man in England meist auch für ca. 20 ?.

    Insgesamt sehe ich gerade beim PSN Gegenstück, XBox LIVE zur Zeit noch etliche Vorteile. Die ganzen Onlinefeatures laufen deutlich besser. So habe ich gestern im BETA Test von Sony Home eine PS3 Chat-Einladung bekommen. Dies war aber nur eine leere Nachricht. Erst als ich aus HOME hinausgegangen bin und im XMB war, tauchten die Chatschaltflächen in dieser Nachricht auf. Warum? Und wie erstellt man Sprachnachrichten? Warum so kompliziert? Und warum hat der PSN Shop nur Demos die bis 12 Jahre freigegeben sind? Dennoch aber Spielcontent auch für Games ab 18?

    Da muss Sony noch viel aufholen, auch wenn gerade einige gute Titel erschienen sind und die PS3 schon ein deutlich stimmigeres Paket ist, als noch vor einem Jahr.

  2. #2 von troschan - 10. Dezember 2008 zu 15:41

    Wieso bin ich denn “Kein Kommentar”?

  3. #3 von Hendrik Busch - 10. Dezember 2008 zu 17:15

    Weil Kommentare erst von mir moderiert werden müssen. Und das dauert manchmal etwas länger ;-) . Danke für Deinen Kommentar – ich war gestern richtig erstaunt, wieviele Hardware-Revisionen der PS3 es doch so gibt. Das mit den Spielen aus England ist auch ein gute Tipp, das werde ich mal testen. Danke!

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