Star Trek 11


Bin gerade aus dem Kino zurückgekommen und habe dort Star Trek 11 gesehen. Nach Jahren mal wieder ein neuer Star Trek Film. Kann das was werden? Ich war zunächst sehr skeptisch, besonders nachdem ich einige Kritiken gelesen hatte, die sich u.a. darüber ausließen, dass der junge Kirk so gar nicht dem allgemein bekannten entspricht, der junge Sulu nicht aussieht wie der alte Sulu, verschiedene Szenen geradezu wie Star Wars wirken und und und. Besonders irritiert hatte mich die Aussage des Regisseurs, J.J. Abrams, er sei kein sonderlich großer Trekkie, er hätte aber einige Geschichten in Erinnerung, die er gerne erzählen wolle. “Sakrileg!” wollte ich damals rufen, “wie kann man so jemanden mit so einer Einstellung das Star Trek-Erbe anvertrauen?”

Zwischen diesem Interview und meinem Kinobesuch erschien die Blu-Ray-Box mit den ersten sechs Filmen und jeder Menge Bonusmaterial. Da ich bisher keinen einzigen der alten Filme auf DVD hatte, habe ich bei der Box direkt zugeschlagen (die übrigens in UK etwa 20% billiger ist als in DE, für die identischen Discs wohlgemerkt, aber das nur am Rande) und mich durch das Bonusmaterial gewühlt. Die ernüchternde Erkenntnis war, dass bei den Filmen, die von uns Trekkies (ich stehe dazu) als “Heiligtum” vereehrt, auch in erster Linie Leute Regie geführt haben, die vorher herzlich wenig mit Star Trek zu tun hatten. Robert Wise drehte seinerzeit “Star Trek – The Motion Picture”, ein Film mit guter Story aber nicht unbedingt geglückter Umsetzung. Der zweite Teil wurde dann von Nicholas Meyer unter der Federführung von Harve Bennett zum Erfolg geführt, und das obwohl Benett erstmal die komplette TV-Serie nachholen musste. Frei nach dem Motto “gleiches Recht für alle” war ich danach deutlich eher bereit, dem neuen Star Trek eine Chance zu geben.

Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte a) dies nachholen und b) nicht weiterlesen. SPOILERS AHEAD. YOU HAVE BEEN WARNED.

Ich stelle mein Fazit mal direkt vorweg: viele kritische Stimmen unkten, der neue Film sei zwar ein passabler Science Fiction-Film, aber kein Star Trek mehr. Dem muss ich energisch widersprechen. Dieser Film ist aus meiner Sicht mehr Star Trek als manch anderer Teil bisher (in dieser Reihenfolge: X, V, III, VII). Was sind die Haupteigenschaften, die einen Star Trek-Film ausmachen?

  • Die optimistische Darstellung der Zukunft, inbesondere die der Menschheit
  • Die Darstellung einer toleranten Gesellschaft
  • Freundschaften, die auch schwere Krisen überstehen
  • Heroische Taten und Entscheidungen
  • Technik

Diese Eigenschaften machen aus meiner Sicht den Erfolg von Star Trek aus. Es geht im Kern nicht um Action, nicht um Zeitreisen, nicht um saubere Föderationsraumschiffe oder die Einhaltung altbekannter Regeln, es geht um die Menschen, ihre Beziehungen zueinander um eine positive Zukunft. Der neue Film enthält alle diese Elemente. Obwohl Vulkan zerstört wurde, macht der alte Spock schon am Ende klar, dass es wieder aufwärts gehen wird. Obwohl Kirk ein Draufgänger und Schläger ist, besinnt er sich – nicht zuletzt auch durch den Einfluß der anderen – auf die richtigen Dinge und wir Kapitän der Enterprise. Obwohl Chekov erst 17 Jahre alt ist, wird seine Meinung angenommen und geschätzt. Obwohl Kirk und Spock einen unglücklichen Start haben, werden sie doch zu Freunden. Ich kann diese Liste recht weit fortsetzen, ich lasse es aber, es soll jeder für sich feststellen, welche “Kerntugenden” er von Star Trek im neuen Film entdeckt.

Dann wäre da noch die Sache mit dem Zeitreisen und der Zerstörung des Vulkan. Einige sagen: “Hey, der Vulkan ist gar nicht zerstört worden, zeitlich spätere Filme und Serien zeigen ihn doch.” und bis zuletzt auf eine Zeitreise zu Rettung von Vulkan warten. Doch sie kommt nicht. Vulkan ist zerstört. Und hier muss ich wirklich den Hut vor den Drehbuchautoren ziehen, das Zeitreiseelement ist ein absolut genialer Storykniff, denn er bildet vordergründig die Handlung des Film und ist hintergründig das Mittel, das Star Trek-Franchise komplett neu auszurichten. Eine brilliante Idee, denn betrachtet man Star Trek aus der Ferne, drängt sich einem schnell die Frage auf, wie jetzt noch drei, vier, werweißwieviele Filme gedreht werden sollen, ohne entweder gegen die bisher aus den Serien und Filmen bekannten Gegebenheiten zu verstoßen oder wie im Rahmen der starren Vorgaben noch wirklich epische Geschichten erzählt werden können. Die Schaffung einer “Parallelrealität” durch Neros (was für ein passender Name) Zerstörungsfeldzug durch die Zeit biegt die bisher gelegten Gleise um und es entsteht eine offene Zukunft, von Kirk in Star Trek VI poetisch “das unentdeckte Land” genannt. Jetzt sind plötzlich Star Trek-Handlungen möglich, die bisher problematisch bis unmöglich waren. Und solange sich die Filme weiterhin auf Star Treks Grundwerte stützen (was z.B. Teil X nicht tat), sind es auch Star Trek-Filme.

Einige Kritikpunkte habe ich dann allerdings auch noch, die aber in erster Linie Details betreffen. Der sehr junge Kirk hat dank des tollen Product Placements einen Nokia-Bordcomputer im Auto, für Star Trek eine eher unwürdige Verbindung der jetzigen Zeit mit dem Film (gibt es in einer Welt, die in Harmonie lebt und ohne Kapitalfluß auskommt, tatsächlich noch Privatfirmen?). Im Gegensatz zu ihren Nachfolgern und selbst ihren Vorgängern sehen die Maschinenräume der im Film gezeigten Raumschiffe aus wie eine Industrieanlage. Schwere, offene Stahlgerippe bilden große Räume die durchzogen sind von massiven Rohrleitungen, deren Sinn ebenso im Dunkeln bleibt wie die Aufgabe der großen Tanks, zwischen denen Uhuras Arbeitsplatz steht. Es werden zwar die typischen Gänge gezeigt, aber neben der Krankenstation und dem Transporterraum werden keine der klassischen Räumlichkeiten wie z.B. Quartiere gezeigt. Hier kann auch die Begründung mit der Zeitreise nicht herhalten, denn die Enterprise NX-01 ist zum Zeitpunkt des Films bereits fast 100 Jahre alt.

Für Trekkies, die sich bereits gut auskennen, birgt der Film eine Menge Anspielungen auf die anderen Filme und Serien. Wie auch in TOS ist Sulu ein Fechtmeister, Kirk stößt sich – analog zu Scotty in einem der alten Filme, den Kopf an einem zu niedrig hängenden Träger, Scotty selber hat Admiral Archers Beagle “weggebeamt” (was bei genauer Betrachtung eigentlich gar nicht sein kann, denn Jonathan Archer wurde 2112 geboren und wäre damit bei Scottys Geburt bereits 110 Jahre alt), beim ersten Außeneinsatz stirbt der Typ im roten Anzug, usw.

Tags: enterprise, kino, kritik, star trek

Verwandte Artikel

, , ,

  1. #1 von Greg - 13. Mai 2009 zu 12:43

    Aber wo ist der rote Alarm? ein neues Warp-Geräusch? Mobbing unter jung-Vulkaniern?
    Zudem gab es für meinen Geschmack zu viel Action und plumpe Klischeés. Die Wink-mit-dem-Zaunpfahl-Musik, wenn das Schiff Neros erscheint, die (scheinbar) obligatorischen Lichtprobleme aus seinem Schiff und überhaupt, warum steht es zur hälfte unter Wasser? Es gab 10 Teile, gute und schlechte…da hätte man doch drauß lernen können können…auch jemand, der kein Fan ist.

  2. #2 von wormhole23 - 17. Mai 2009 zu 23:21

    also, für mich war es DER star trek film überhaupt. da wird von gaaanz vorne angefangen, also ist genug stoff für “neues” da. ein hoch an die produzenten. star trek ist mit diesem film moderner geworden. der staub ist weg und trotzdem glänzt mal nix auf diesem schiff wie auf der enterprise d oder e, welche ja schon wie hotels daher kommen.

    angefangen hat es mit der “restaurierung” ja schon bei der letzten serie. kein mensch weiss, warum die nach vier staffeln abgesetzt wurde.

(wird nicht veröffentlicht)
  1. Bisher keine Trackbacks.