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Warum Hartz IV nicht abgeschafft wird

Vor ein paar Tagen bin ich im Rahmen einer Geburtstagsfeier auf zwei Herren getroffen, die als Fallmanager in einem Jobcenter arbeiten. Beide waren, so entnahm ich dem Gespräch, von Grund auf unzufrieden mit ihrer Arbeit, klagten über zuviele “Kunden” für zu wenige Fallmanager. In die Verbitterung mischten sich dann auch Aussagen wie “Wenn der wiederkommt, dann habe ich endlich genügend Gründe für ne 100%-tige. Zwei hat er ja schon gekriegt und die dritte wird gerade verhandelt.” Eine “100%-tige” ist eines der heftigeren Druckmittel aus dem Sanktionskatalog, mit dem die ARGE einen Hartz IV-Empfänger drangsalieren erziehen kann. Was das mitunter für Auswirkungen hat, ist u.a. bei Telepolis ausführlich geschildert worden, exemplarisch sei auf den Artikel “Aushungern und Fordern” hingewiesen. Fallmanager und Leistungsbezieher – zwei Parteien, die eigentlich zusammenarbeiten sollten, stehen sich verfeindet gegenüber.

Wie konnte es dazu kommen? Traurig aber wahr, beide sind Opfer einer unsozialen Politik geworden. Die Fallmanager können nicht anders. Und die Leistungsbezieher auch nicht. Die Missstände, die Hartz IV seit seiner Einführung verursacht hat, sind ebenfalls hinlänglich diskutiert worden und sollen hier nicht wiedegekäut werden. Ich möchte die Frage beleuchten, warum sich in all den Jahren nichts an Hartz IV gebessert hat bzw. warum der politische Wille zur Abschaffung von Hartz IV nicht existiert, zumindest nicht bei denen, die reelle Chancen auf eine Regierungsbeteiligung haben. Ein Gedankenspiel:

Welchem Zweck dient Hartz IV? Irgendwo unter dem Gerede über soziale Absicherung und die Reintegration in den Arbeitsmarkt kann man eine “hidden agenda” ausmachen, einen tieferen Zweck. Hartz IV ist ein Werkzeug geworden, dessen eigentliches Ziel nicht die Arbeitslosen oder die Sozialfälle sind, sondern die einkommensschwachen Schichten, die noch Arbeit haben. Ich unterstelle nicht, dass Hartz IV ursprünglich zu diesem Zweck angedacht war, aber die zu beobachtenden Effekte wurde nicht nur billigend in Kauf genommen sondern aktiv gefördert und provoziert – die Misere ist mit voller Absicht hausgemacht.

Mit viel Medienchaos werden Leistungsempfänger (die historisch eigentlich mal zwei unterschiedliche Gruppen waren, nämlich Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, und daher eigentlich auch unterschiedlich “verarztet” werden müssten) zum Feindbild erhoben. Jeder arbeitende Bürger und jeder Rentner hat einen Grund, Hartz IV-Empfänger zu verabscheuen, so wird suggeriert. Ein faules Pack, das arbeiten könnte, aber nicht will, und mit dieser Verweigerungshaltung auch noch mehr Geld bekommt als Vollzeitbeschäftigte in Niedriglohnjobs und trotzdem noch betrügt wo es geht. “Arbeit muss sich wieder lohnen!” schallt es aus der Politik – und meint damit nicht etwa einen Anstieg der Löhne, sondern eine Absenkung der Hartz IV-Leistungen. Und das geBILDete Volk klatscht Beifall. Das Arbeit sich in nahezu jedem Fall lohnt, hat gerade erst der Paritätische Gesamtverband mit einer Studie belegt: Damit sich Arbeit lohnt. Das Getöse um Hartz IV sollte damit eigentlich verstummen, da ja widerlegt, aber das Getöse erfüllt einen Zweck: es suggeriert der Gesellschaft, Hartz IV ist fürchterlich, der schlimmste Abstieg, den man erleiden kann. Zusammen mit den Gruselgeschichten, die Hartz IV-Empfänger über die ARGE, die Sanktionen, die Kontrollen, die Bewerbungen, usw. erzählen, wird Hartz IV so zur Horrorvorstellung für jeden Arbeitnehmer. Und wer solche Angst vor der Arbeitslosigkeit hat und auch reell von ihr bedroht ist, der lässt sich zu Zugeständnissen drängen. Die Folge: niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen. Und genau darum geht es: einen “gefügigen” und flexiblen Niedriglohnsektor zu etablieren und zu pflegen.

Ein Spiel, bei dem alle verlieren. Die Hartz IV-Empfänger verlieren, weil sie in den Mühlen dieses Systems langsam zermahlen werden und durch Hartz IV sozial gebrandmarkt sind. Die Mitarbeiter der Jobcenter verlieren, weil sie die Aufgabe, die man ihnen gegeben hat, mit dem Werkzeug, das man ihnen gegeben hat, überhaupt nicht erfüllen können – Kobayashi Maru. Die Einkommensschwachen verlieren, denn auf sie zielen alle Maßnahmen ab, sie machen Zugeständnisse und lassen sich erpressen. Wer ein höheres Einkommen hat, ist so gut wie nie von Hartz IV betroffen und macht sich daher auch weniger Sorgen. Doch auch diese Gruppe verliert, denn sie wird von der Politik und den Medien manipuliert.

Wenn aber so viele verlieren, wer gewinnt denn dann? Zum einen gewinnt die Politik. Hartz IV eignet sich sehr gut, um sich auf Kosten der Arbeitslosen zu profilieren. Nachdem man die nach Kindern sozial schwächste Gruppe zu Schmarotzern gestempelt hat, kann man Wählerstimmen sammeln, wenn man den geblendeten Massen verspricht, den Missbrauch einzudämmen. Eine perfide Taktik, funktioniert aber. Und von allen weiteren Gewinnern profitiert indirekt auch wieder die Politik. Weitere Gewinner der Situation sind Unternehmen, denn ihnen steht ein recht großer Pool an billigen Arbeitskräften zu Verfügung, der Niedriglohnsektor, der durch Hartz IV im Zaum gehalten wird. Ebenso profitieren diverse Organisationen, Kirchen und auch Städte und Gemeinden, denn bei Ihnen stehen die 1-Euro-Jobber unter Vertrag, Arbeitskräfte, die man nicht wirklich bezahlen muss, die aber trotzdem Vollzeitstellen innehaben. Und diesen Leuten bleibt keine Wahl, um weiter uneingeschränkt Leistungen beziehen zu können, müssen sie solche Jobs annehmen. Was man früher Zwangsarbeit nannte, heißt heute 1-Euro-Job und hat für die Politik noch den schönen Nebeneffekt, dass die Arbeitslosenzahlen geschönt werden. Denn wer sich in einem 1-Euro-Job oder auch einer Weiterbildungsmaßnahme befindet, der gilt nicht als arbeitslos.

Das alles kulminiert in einer Erkenntnis: es kann keinen politischen Willen geben Hartz IV abzuschaffen, so lange die Kritiker in der Minderheit sind und das Volk sich hinters Licht führen lässt.

Zum Abschluss noch eine (einseitige) Auswahl an Artikeln, nach denen klar sein sollte, was für ein Elend Hartz IV letzten Endes ist:

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TV-Flashback: Babylon 5

I was there at the dawn of the third age of mankind, ten years after the Earth/Minbari war. The Babylon project was a dream given form. It’s goal: to prevent another war by creating a place where humans and aliens could work out their differences peacefully. Its a port of call, a home away from home for diplomats, hustlers, entrepreneurs and wanderers. Humans and aliens, wrapped in two million fivehundredthousand tons of spinning metal, all alone in the night. It can be a dangerous place, but it’s our last best hope for peace.

This is the story of the last of the Babylon stations. The year is 2258. The name of the place is Babylon 5.

Es ist mal wieder an der Zeit, die “alten” DVD-Boxen wieder hervor zu holen und die Abende mit einer immer noch einer großartigen Serie zu füllen…

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His terrible SWIFT sword

Vielen Dank liebe Bundesregierung! Danke dafür, dass Du die Welt wieder ein Stück sicherer gemacht hast. Die bösen Terroristen, die ständig versuchen uns alle zu töten, weil wir so demokratisch, freiheitlich und liberal sind, könnten sich am Ende ja noch den Sieg sichern wenn wir alle unsere Bankdaten nicht zur Kontrolle in die USA schicken. Aber mit Deinem Kurswechsel in der SWIFT-Debatte können wir die bösen Menschen jetzt fernhalten und uns vor Ländern schützen, in denen Leute entführt, gefoltert, in Geheimgefängnissen zu Geständnissen genötigt und am Ende nach einem Verfahren mit fragwürdigsten Beweisen, das eines Rechtsstaats unwürdig ist, lebenslang inhaftiert oder gleich hingerichtet werden. Dass wir unsere Kontodaten demnächst also völlig offen mit einem Land teilen, dass auch so arbeitet, ist halt der Preis für unsere Sicherheit. Hey, die sind doch gar nicht böse, die haben eines Friedensnobelpreisträger als Präsidenten.

Soviel zum lustigen Teil. Jetzt zu was Ernsterem: Liebe Bundesregierung, hast Du sie noch alle?? Wie kann man denn nach der Vorgeschichte (”Oh Hilfe, die bösen Amerikaner gucken ja schon seit Jahren in unsere Kontodaten, das geht aber auch gar keinen Fall!”) so ein Abkommen unterzeichnen?? Was war mit der “Regierung vom Volk für das Volk”? Ach ja, ich vergaß, das liest sich gut in Büchern und auf Gedenktafeln, in der Realität beeinträchtigt sowas aber die freie Wirtschaft. Und ich lese hier immer was von “massivem Druck”, den die Amerikaner ausgeübt haben. Was für Druck soll das sein? Noch erniedrigendere Einreiseformalitäten? Strafzölle für deutsche Produkte? Eine Neuauflage der Freedom Fries? Vielleicht ziehen sie ja auch ihre Truppen aus Afghanistan ab und wir werden alle von Terroristenhorden überrollt, die dort dann nicht mehr in Schach gehalten werden.

Ganz ehrlich: du hast versagt. Bekanntlich aber wählt sich jedes Schaf seinen Schlächter selber. Somit haben wir alle versagt. Und die haben gewonnen – und wir sind schuld. Ein weiterer Nagel zu unser aller Sarg. Hey, aber sehen wirs positiv: immerhin sterben wir in Sicherheit…

Mine eyes have seen the glory of the coming of the Lord:
He is trampling out the vintage where the grapes of wrath are stored;
He hath loosed the fateful lightning of His terrible SWIFT sword:
His truth is marching on.

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“Three strikes and you’re out” – ein Wahrnehmungsproblem

Derzeit wird in vielen Einzelstaaten, aber auch auf EU-Ebene und auch bei den geheimen Verhandlungen um den geheimen ACTA-Vertrag das sog. “Three strikes”-Modell diskutiert. Kerngedanke ist, jemanden nach drei (vermeintlichen) Rechtsverstößen im Internet – und es geht hier nicht um schwere Straftaten im Sinne des Gesetzes, sondern in erster Linie Urheberrechtsverletzungen – für ein Jahr lang das Internet zu sperren.

Was für Auswirkungen das hat, wie haarsträubend das System funktioniert und welchen Umfang das diesbezügliche Wahrnehmungsproblem hat, erklärt Cory Doctorow in einem Gespräch mit David Weinberger, aufgenommen während der Broadband Strategy Week. Das Video ist Public Domain, das ürsprüngliche Posting von David Weinberger findet sich in seinem Blog.

David Weinberger, Cory Doctorow: No, three strikes and you're out

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Die Terroristen haben schon gewonnen – und wir sind schuld

Mit Erstaunen verfolge ich in den letzten Tagen die Nachrichten. Und ich meine nicht die von einem “deutlichen Wählervotum gewünschte Regierung des bürgerlichen Bündnisses”, die uns jetzt aus der Krise führen will. Nein, ich meine die jüngsten an Deutschland adressierten Terrorbotschaften und die Folgen. Ich würde das Video ja hier verlinken, damit sich jeder ein Bild machen kann, aber es ist zum einen schwer zu finden und zum anderen wertet unser fürsorglicher Staat eine derartige Informationsbeschaffung inzwischen als Förderung des Terrorismus. Also bleiben wir beim Hörensagen: es wurde konkret mit Anschlägen gedroht, gegen den Hamburger Bahnhof, den Kölner Dom und das Münchner Oktoberfest – also die “großen deutschen Wahrzeichen”.

Es wird immer wieder gesagt, die Islamisten wollten die freie westliche Lebensweise angreifen und zerstören. Die im gleichen Atemzug angekündigten Horden von Schläfern und Selbstmordattentätern sind bisher allerdings noch nicht in Erscheinung getreten. Eine kurze Statistik:

Jahr Tote durch terroristische Anschläge in Deutschland Tote im Straßenverkehr
2005 0 5361
2006 0 5174
2007 0 5011
2008 0 4477

Zynisch? Möglich. Was diese Tabelle aus meiner Sicht aber aussagt, ist nicht, dass unsere Sicherheitsbehörden so gute Arbeit leisten, sondern eher, dass es schlicht keine Gefährdung in Deutschland gibt, die in irgendeiner Form nennenswert wäre. Wir sind ja auch selber sehr gut darin, unsere freie Lebensweise zu zerstören. Lauschangriff, BKA-Gesetz, Internetsperren und jüngstes Beispiel: das Oktoberfest. Inzwischen ist die Wiesn durch eine hermetisch dichte zweistufige Polizeikette abgeschlossen. Anwohner rund um die Festwiese dürfen nicht mehr in ihrer Straße parken, alle anderen dürfen dort nicht mal mehr fahren, jeder der eine Tasche mitbringt, wird von Einsatzkräften durchsucht, jeder vergessene Rucksack ruft das Bombenkommando auf den Plan und Personen wurden präventiv (! – Precrime lässt grüßen) inhaftiert (ja, ich weiß dass es sich um islamistische Sympathisanten handeln soll, aber sie haben bisher ja nichts verbrochen).

Ich kann mich an Zeiten erinnern, da führte ein herrenloser Koffer auf dem Bahnhof lediglich dazu, dass ein Bahnangestellter kam und ihn ins Fundbüro brachte. Heute könnte eine Vergesslichkeit dazu führen, dass man mitansehen darf, wie die Polizei den Koffer sprengt und sich die enthaltene Unterwäsche im Bahnhof verteilt. Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Wenn also Terroristen wirklich darauf aus sind, unsere freie westliche Lebensweise mit Bomben zu zerstören, sollten sie sich lieber beeilen, denn sonst haben wir das bereits erledigt – aus Angst, die Terroristen könnten es tun.

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