Archiv | Virtual Life RSS für diesen Abschnitt

Alles neu macht der Mai

Mit immer mehr Stellen, an denen man im Internet präsent ist, wird es zunehmend schwerer eine konsistente Kommunikation aufrecht zu erhalten. Der eine Freundeskreis ist nur bei Facebook, der andere nur bei Google+, wiederum ganz andere Leute folgen einem auf Twitter. Die Lösung: man poste alles überall. Selbst wenn man sich aber diese Mühe machen möchte, stellt sich die Kernfrage: wer bin ich (im Netz). Ja, ich bin bei Google+, Facebook, Twitter, flickr und wie sie nicht alle heißen. Aber überall bin ich nur auf Basis einer „Duldung“ durch andere. Es ist, als wäre meine Netzpersönlichkeit wild im Internet verteilt.

Mit der Überarbeitung meines Blogs habe ich mich jetzt dazu entschieden, das zu ändern. Dieses Blog soll wieder das Zentrum meines Web-Handelns werden, alle anderen Kanäle stufe ich für meine eigenen Inhalte nur noch als Distributionskanäle ein (mal abgesehen von lokalen Diskussionen, die sich auf der ein oder anderen Plattform ergeben). Ich möchte hiermit dem Trend entgegenwirken, den u.a. Sascha Lobo in seiner SPIEGEL online-Kolumne „Die Mensch-Maschine“ so schön beschrieb: „Euer Internet ist nur geborgt.“

Also, was gibts neues hier im Blog? Nichts. Noch nichts. Ich habe den Titel leicht angepasst, das Blog heißt jetzt „I can MAKE IT“, um das ohnehin schon schlechte Wortspiel noch um die Maker-Dimension zu erweitern. Zugegeben, gemessen an Ergebnissen bin ich kein sehr erfolgreicher Maker, aber ich bastle gerne. Dieser Aspekt kommt hier im Blog viel zu kurz und wird demnächst ausführlicher behandelt.

Der Rest der Neuerungen bezieht sich auf Kosmetik und Änderungen hinter den Kulissen, z.B. eine neues Theme (Skeptical von WooThemes), neue Plugins (z.B. die datenschutzkonformen Social Media-Knöpfe von Heise) und Entfernung zahlreicher Altlasten.

In diesem Sinne: wir lesen uns in Kürze!

Sponsored Posts: Nein danke.

Ich bekomme in letzter Zeit gehäuft Anfragen von Agenturen, die für ihre Kunden willige Blogger suchen, die was (positives) über den Kunden oder dessen Produkt schreiben und auf ihn verlinken. Dafür bekommt man dann eine Art Aufwandsentschädigung. Das ganze nennt sich dann Sponsored Posts und klingt in den Mails fast immer gleich:

Hallo Hendrik,
bei meiner Recherche bin ich heute auf Deinen Blog gestoßen! Ich finde den Blog super! Dachte, dass wir vielleicht auch etwas zusammen machen könnten.
Wir, […], sind eine kleine Agentur. Wir sammeln im Auftrag von unseren Kunden von Bloggern Feedback über die Kunden ein.
D.h. im Detail folgendes: Du schreibst über unseren Kunden ein Feedback in Deinem Blog. Das kann positiv sein, allerdings muss es dies nicht sein. Findest Du gewisse Sachen schlecht, so kannst Du das ruhig schreiben! Nur so kann der Kunde letztendlich sein Produkt auch verbessern.
Das ganze musst Du natürlich nicht umsonst machen. Wir zahlen Dir dafür eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Euro. Die würden wir dir per Paypal oder Überweisung zuschicken.
Hast Du Lust darauf? Falls ja, so würde ich mich über eine kurze Antwort freuen!

oder auch

Hallo Hendrik,
ich wollte nachfragen, ob Interesse besteht, auf deinem Blog (http://www.icanmakeit.de/) Sponsored Posts zu veröffentlichen.
Wir zahlen zwischen 40 und 100 Euro pro Beitrag, abhängig von Leserzahlen, Postfrequenz, Aktualität usw. usf. Auf unsere Homepage findest du noch ein paar Informationen zum Procedere. Bei Fragen einfach fragen 😉
Ich würde mich sehr über deine Rückmeldung freuen.

Ich ignoriere solche Mails immer, was dann gelegentlich wiederum solche Reaktionen hervorruft:

Einen schönen guten Tag!
leider habe ich vergeblich versucht Sie in den letzten Tagen und Wochen zu
erreichen. Vermutlich werden meine Nachrichten fälschlich als Spam
identifiziert. Angesichts der Massen an eMails die jeden Tag verschickt
werden ist das zwar verstöndlich aber auch schade.
So werde ich wohl nicht das Vergnügen haben mit Ihnen über eine
mögliche Verlinkung zwischen Ihrer Seite und […] zu sprechen.
Sollten Sie diese eMail allerdings erhalten und Interesse haben, so würde
ich mich sehr freuen von Ihnen eine Nachricht zu erhalten.
Bis dahin verbleibe ich mit den besten Grüssen,

Und jetzt für alle zukünftigen Interessenten zum Mitschreiben: ich habe absolut kein Interesse an Sponsored Posts, weder jetzt noch in Zukunft. Aus meiner Sicht unterminieren solche verkappten Werbebeiträge die Integrität meines Blogs und meine eigene Glaubwürdigkeit.Darüber hinaus sind solche Beiträge auch einer der Plagegeister unserer Zeit – was jeder bestätigen kann, der sich mal über ein Produkt oder einen Dienst bei Google informieren wollte und sich bei jedem Suchergebnis fragen musste, ob das jetzt ein echter Beitrag oder nur SEO-Müll ist. Zu diesem Trend will ich nicht beitragen.

Meine Meinung ist nicht käuflich. Alle Beiträge dieses Blogs entspringen meiner persönlichen Überzeugung (zum jeweiligen Zeitpunkt) und ich werde den Teufel tun und das für ein paar Kröten zu opfern. Dieses Blog hat zwar kaum Leser, aber wenn mal jemand drüber stolpert, dann kann er sich wenigstens sicher sein, hier ehrliche, unabhängige Beiträge zu finden.

In Anlehnung an nodomain.cc lautet hier auch mein Fazit: Habe ich Interesse an Sponsored Posts? Nein.

Warum ich lieber DVD- als Downloadspiele kaufe

Preisvergleich für "Lost Horizon"

Preisvergleich für "Lost Horizon" (Stand 24.11.2010)

DVDs werden mit der Zeit billiger, weil die Preiskontrolle (mit einigen Ausnahmen) beim Einzelhandel liegt. Downloadspiele werden viel langsamer und viel seltener billiger, weil die Preiskontrolle üblicherweise beim Publisher liegt und digitale Downloads ja auch keinen Platz im Lager wegnehmen. Gleiches gilt natürlich auch für Filme, Musik und andere Inhalte, die sich neben dem klassischen Vertriebsweg auch digital vertreiben lassen. Oder was glaubt ihr warum das eBook eines Krimis fast immer genauso viel kostet wie der gedruckte Krimi?

<exkurs>Und nein, Buchpreisbindung lasse ich hier als Argument nicht gelten. Buchpreisbindung besagt vereinfacht nur, dass ein Buch bei Händler A das gleiche kosten muss wie bei Händler B, nämlich den festgesetzten Preis (Ausnahmen mal außen vor), sie besagt hingegen nicht, dass das eBook eines Buches genauso viel kosten muss wie das Taschenbuch oder Hardcover desselben Buches. Andernfalls wäre es auch absolut sinnfrei, Taschenbücher heraus zu bringen, denn wenn eBooks genauso viel kosten müssten wie gedruckte Bücher, dann müssten Taschenbücher genauso viel kosten wie ihre Hardcoverpendants oder umgekehrt.</exkurs>

WTF, Amazon??

Ich bekam gerade von Amazon folgende Mail:

WTF, Amazon??

Man empfiehlt mir „Anna“ auf DVD, weil ich „Kampfstern Galactica“ gekauft habe. Wenn ich mich recht entsinne, ist „Anna“ eine seichte Serie über eine Baletttänzerin und fällt zeitlich mit meiner Jugend zusammen. Die Originalserie von „Kampfstern Galactica“ fällt auch in diese Zeit, aber es geht hier um das Remake aus dem 21. Jahrhundert. Wie also kommt so eine Bewertung zu stande?

Ich weiß nicht, worauf die Empfehlungsmaschine von Amazon basiert, aber wenn sie sowas wie Frequent Patterns verwenden, heißt das zumindest, das BSG einigermaßen häufig mit etwas zusammen gekauft wird, dass Ähnlichkeit mit „Anna“ hat. Die „Kunden, die dies kauften, kauften auch“-Rubrik von BSG enthält keinen einzigen solchen Eintrag (interessanterweise spiegelt sich in dieser Liste mein Fernsehgeschmack wider). Daran liegt es also vermutlich nicht.

Vermutlich werden wir es nie erfahren…

„Three strikes and you’re out“ – ein Wahrnehmungsproblem

Derzeit wird in vielen Einzelstaaten, aber auch auf EU-Ebene und auch bei den geheimen Verhandlungen um den geheimen ACTA-Vertrag das sog. „Three strikes“-Modell diskutiert. Kerngedanke ist, jemanden nach drei (vermeintlichen) Rechtsverstößen im Internet – und es geht hier nicht um schwere Straftaten im Sinne des Gesetzes, sondern in erster Linie Urheberrechtsverletzungen – für ein Jahr lang das Internet zu sperren.

Was für Auswirkungen das hat, wie haarsträubend das System funktioniert und welchen Umfang das diesbezügliche Wahrnehmungsproblem hat, erklärt Cory Doctorow in einem Gespräch mit David Weinberger, aufgenommen während der Broadband Strategy Week. Das Video ist Public Domain, das ürsprüngliche Posting von David Weinberger findet sich in seinem Blog.

David Weinberger, Cory Doctorow: No, three strikes and you're out