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Schicht im Schacht

Die EU berät heute darüber, wie lange Deutschland noch seinen Steinkohleabbau subventionieren darf. Unsere Führungsriege war der Ansicht, dies müsse bis 2018 möglich sein, hat aber vergessen, dies von der EU genehmigen zu lassen. Dort ist man daher der Ansicht, 2014 würde völlig reichen. Ich sage: jedes Jahr ist eins zu viel. Und das sage ich mittlerweile seit über 10 Jahren. Deutsche Kohle ist schlicht und ergreifend nicht wettbewerbsfähig.

Es ist eine Frage des Geschäftsmodells: wer auf dem Markt mit einem Geschäftsmodell agiert, das sich beweisbar nicht selber tragen kann, der soll den Laden dichtmachen. Das betrifft die Steinkohle ebenso wie andere gescheiterte Unternehmungen (Hallo Opel!). Es dem dem selbständigen Werbedesigner nicht verständlich zu machen, warum er jetzt Insolvenz anmelden soll, während sein Nachbar, der bei Opel arbeitet, vom Staat gerettet wird. Um da nicht erst in die missliche Lage zu kommen, bestimmen zu müssen, wo man die Linie zieht, wen man retten wird und wen nicht, rettet einfach man niemanden, sondern fördert lieber sie soziale Komponente der sozialen Marktwirtschaft. Ansonsten entsteht auch das falsche Signal: “Hey, kein Problem, macht einfach euer Ding und wenns schiefgeht, dann rettet euch halt der Staat.”

Aber das hier soll nicht in einen “Alles ist schlimm”-Rant ausarten, daher zurück zum Bergbau: in den Nachrichten auf WDR5 wurde heute erwähnt, dass der Staat die Steinkohleförderung mit 2 Milliarden Euro jährlich subventioniert und dass in den Zeichen ca. 23.000 Personen beschäftigt sind. Der Staat fördert also diesen Wirtschaftszweig mit ca. 90.000 Euro pro Beschäftigtem. Das ist mal eine beachtliche Zahl, aber natürlich nur eine statistische. Die Subventionierung hat vermutlich keine direkten Auswirkungen auf die Löhne sondern dient eher dazu, die Differenz zwischen Förderkosten und Weltmarktpreis auszugleichen.

Natürlich gibt es da auch die bekannten Einwände, die gerne vorgebracht werden, um eine weitere Subventionierung zu rechtfertigen:

Da wäre zu einen das Argument der Auswirkung auf den Arbeitsmarkt. Natürlich sind auch neben den 23.000 Beschäftigten auch Kollateralschäden zu erwarten wie z.B. der Imbissbudenbetreiber oder der Kioskbesitzer oder andere, weniger klischeehafte indirekt Abhängige. Wenn man aber bedenkt. dass der hochgelobte KT (zu Guttenberg) es angeblich schaffen kann, die Bundeswehr sozialverträglich von 250.000 auf 185.000 Soldaten runter zu bringen (und Zivilangestellte sind da nicht mal berücksichtigt), dann kann auch die Unterbringung der 23K+ Bergleute kein wirkliches Problem sein.

Dann wäre da die Befürchtung, die um den Bergbau herum angesiedelte Industrie, z.B. der Maschinenbau, könnte seinen Wissensvorsprung und einen erheblichen Absatzmarkt verlieren. Als Wuppertaler bin ich mit Hemscheidt, später Deutsche Bergbautechnik groß geworden. Nicht das mich das je sonderlich interessiert hätte, aber auch in Wuppertal gab es eben bergbaunahe Industrie. DBT wurde an Bucyrus verkauft und war somit kein deutsches Unternehmen mehr, sondern ein amerikanisches mit einem Standort in Deutschland. Anderen Zulieferern erging es ähnlich, und die übrigen verbliebenen Firmen erwirtschaften ohnehin 80-90% ihres Umsatzes durch Export, denn es gibt in Deutschland nur noch 4 aktive Zechen (Ibbenbüren, Prosper Haniel, Auguste Victoria und Ruhr West) und deren Bedarf an Bergbautechnik ist überschaubar. Aufstrebene Märkte wie China sind da vermutlich weitaus rentabler und somit wird das Ende der Steinkohle in Deutschland keine signifikanten Auswirkung auf die deutschen Zulieferer haben.

Bliebe noch die irrationale Furcht, sich durch die Aufgabe der Steinkohleförderung in zu große Rohstoffabhängigkeit von anderen Staaten zu begeben. Das ist das unsinnigste Argument von allen, denn wir sind nicht nur Exportvizeweltmeister, sondern auch Importvizeweltmeister. Das bezieht sich zwar nicht nur auf Rohstoffe sondern vor allem auf fertige Waren, macht aber dennoch deutlich, wie abhängig wir ohnehin schon sind. Wer die Nachrichten verfolgt, weiß auch, wie sich ein Streit um Erdgas zwischen Russland und der Ukraine sich auf Deutschland auswirkt. Vor diesem Hintergrund ist gar nicht einzusehen, wieso wir ausgerechnet bei der Steinkohle unabhängig sein wollen, wo wir es doch in unzähligen anderen Bereichen schon lange nicht mehr sind. Im Übrigen sind die Japaner so ganz ohne Bodenschätze noch viel schlimmer dran und die leben auch immer noch.

Die Zeiten des Imperialismus sind schon lange vorbei und Deutschland ist zu einem wichtigen Teil der EU geworden, ein Staatenbündnis von immenser Wichtigkeit, dessen Relevanz und Notwendigkeit aus meiner Sicht enorm sind. Man mag dies aber derzeit erst auf den zweiten Blick erkennen, wenn man an Dingen wie Eurokrise und Marktregulierung vorbei auf die internationale Ebene blickt. Länder wie Liechtenstein, Portugal oder selbst Deutschland können sich alleine nicht gegen Riesen wie die USA oder China behaupten, die EU hingegen schon, wenn sie sich endlich mal einigen würde.

Auf lange Sicht wird die Steinkohle ein Kapitel der Geschichte sein, der Zugmotor, der das Wirtschaftswunder ermöglichte. Nicht weniger. Aber eben auch nicht mehr.

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His terrible SWIFT sword

Vielen Dank liebe Bundesregierung! Danke dafür, dass Du die Welt wieder ein Stück sicherer gemacht hast. Die bösen Terroristen, die ständig versuchen uns alle zu töten, weil wir so demokratisch, freiheitlich und liberal sind, könnten sich am Ende ja noch den Sieg sichern wenn wir alle unsere Bankdaten nicht zur Kontrolle in die USA schicken. Aber mit Deinem Kurswechsel in der SWIFT-Debatte können wir die bösen Menschen jetzt fernhalten und uns vor Ländern schützen, in denen Leute entführt, gefoltert, in Geheimgefängnissen zu Geständnissen genötigt und am Ende nach einem Verfahren mit fragwürdigsten Beweisen, das eines Rechtsstaats unwürdig ist, lebenslang inhaftiert oder gleich hingerichtet werden. Dass wir unsere Kontodaten demnächst also völlig offen mit einem Land teilen, dass auch so arbeitet, ist halt der Preis für unsere Sicherheit. Hey, die sind doch gar nicht böse, die haben eines Friedensnobelpreisträger als Präsidenten.

Soviel zum lustigen Teil. Jetzt zu was Ernsterem: Liebe Bundesregierung, hast Du sie noch alle?? Wie kann man denn nach der Vorgeschichte (“Oh Hilfe, die bösen Amerikaner gucken ja schon seit Jahren in unsere Kontodaten, das geht aber auch gar keinen Fall!”) so ein Abkommen unterzeichnen?? Was war mit der “Regierung vom Volk für das Volk”? Ach ja, ich vergaß, das liest sich gut in Büchern und auf Gedenktafeln, in der Realität beeinträchtigt sowas aber die freie Wirtschaft. Und ich lese hier immer was von “massivem Druck”, den die Amerikaner ausgeübt haben. Was für Druck soll das sein? Noch erniedrigendere Einreiseformalitäten? Strafzölle für deutsche Produkte? Eine Neuauflage der Freedom Fries? Vielleicht ziehen sie ja auch ihre Truppen aus Afghanistan ab und wir werden alle von Terroristenhorden überrollt, die dort dann nicht mehr in Schach gehalten werden.

Ganz ehrlich: du hast versagt. Bekanntlich aber wählt sich jedes Schaf seinen Schlächter selber. Somit haben wir alle versagt. Und die haben gewonnen – und wir sind schuld. Ein weiterer Nagel zu unser aller Sarg. Hey, aber sehen wirs positiv: immerhin sterben wir in Sicherheit…

Mine eyes have seen the glory of the coming of the Lord:
He is trampling out the vintage where the grapes of wrath are stored;
He hath loosed the fateful lightning of His terrible SWIFT sword:
His truth is marching on.

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“Three strikes and you’re out” – ein Wahrnehmungsproblem

Derzeit wird in vielen Einzelstaaten, aber auch auf EU-Ebene und auch bei den geheimen Verhandlungen um den geheimen ACTA-Vertrag das sog. “Three strikes”-Modell diskutiert. Kerngedanke ist, jemanden nach drei (vermeintlichen) Rechtsverstößen im Internet – und es geht hier nicht um schwere Straftaten im Sinne des Gesetzes, sondern in erster Linie Urheberrechtsverletzungen – für ein Jahr lang das Internet zu sperren.

Was für Auswirkungen das hat, wie haarsträubend das System funktioniert und welchen Umfang das diesbezügliche Wahrnehmungsproblem hat, erklärt Cory Doctorow in einem Gespräch mit David Weinberger, aufgenommen während der Broadband Strategy Week. Das Video ist Public Domain, das ürsprüngliche Posting von David Weinberger findet sich in seinem Blog.

David Weinberger, Cory Doctorow: No, three strikes and you're out

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