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Warum Hartz IV nicht abgeschafft wird
Verfasst von Hendrik Busch unter Arbeit, Real Life am 4. März 2010
Vor ein paar Tagen bin ich im Rahmen einer Geburtstagsfeier auf zwei Herren getroffen, die als Fallmanager in einem Jobcenter arbeiten. Beide waren, so entnahm ich dem Gespräch, von Grund auf unzufrieden mit ihrer Arbeit, klagten über zuviele “Kunden” für zu wenige Fallmanager. In die Verbitterung mischten sich dann auch Aussagen wie “Wenn der wiederkommt, dann habe ich endlich genügend Gründe für ne 100%-tige. Zwei hat er ja schon gekriegt und die dritte wird gerade verhandelt.” Eine “100%-tige” ist eines der heftigeren Druckmittel aus dem Sanktionskatalog, mit dem die ARGE einen Hartz IV-Empfänger drangsalieren erziehen kann. Was das mitunter für Auswirkungen hat, ist u.a. bei Telepolis ausführlich geschildert worden, exemplarisch sei auf den Artikel “Aushungern und Fordern” hingewiesen. Fallmanager und Leistungsbezieher – zwei Parteien, die eigentlich zusammenarbeiten sollten, stehen sich verfeindet gegenüber.
Wie konnte es dazu kommen? Traurig aber wahr, beide sind Opfer einer unsozialen Politik geworden. Die Fallmanager können nicht anders. Und die Leistungsbezieher auch nicht. Die Missstände, die Hartz IV seit seiner Einführung verursacht hat, sind ebenfalls hinlänglich diskutiert worden und sollen hier nicht wiedegekäut werden. Ich möchte die Frage beleuchten, warum sich in all den Jahren nichts an Hartz IV gebessert hat bzw. warum der politische Wille zur Abschaffung von Hartz IV nicht existiert, zumindest nicht bei denen, die reelle Chancen auf eine Regierungsbeteiligung haben. Ein Gedankenspiel:
Welchem Zweck dient Hartz IV? Irgendwo unter dem Gerede über soziale Absicherung und die Reintegration in den Arbeitsmarkt kann man eine “hidden agenda” ausmachen, einen tieferen Zweck. Hartz IV ist ein Werkzeug geworden, dessen eigentliches Ziel nicht die Arbeitslosen oder die Sozialfälle sind, sondern die einkommensschwachen Schichten, die noch Arbeit haben. Ich unterstelle nicht, dass Hartz IV ursprünglich zu diesem Zweck angedacht war, aber die zu beobachtenden Effekte wurde nicht nur billigend in Kauf genommen sondern aktiv gefördert und provoziert – die Misere ist mit voller Absicht hausgemacht.
Mit viel Medienchaos werden Leistungsempfänger (die historisch eigentlich mal zwei unterschiedliche Gruppen waren, nämlich Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, und daher eigentlich auch unterschiedlich “verarztet” werden müssten) zum Feindbild erhoben. Jeder arbeitende Bürger und jeder Rentner hat einen Grund, Hartz IV-Empfänger zu verabscheuen, so wird suggeriert. Ein faules Pack, das arbeiten könnte, aber nicht will, und mit dieser Verweigerungshaltung auch noch mehr Geld bekommt als Vollzeitbeschäftigte in Niedriglohnjobs und trotzdem noch betrügt wo es geht. “Arbeit muss sich wieder lohnen!” schallt es aus der Politik – und meint damit nicht etwa einen Anstieg der Löhne, sondern eine Absenkung der Hartz IV-Leistungen. Und das geBILDete Volk klatscht Beifall. Das Arbeit sich in nahezu jedem Fall lohnt, hat gerade erst der Paritätische Gesamtverband mit einer Studie belegt: Damit sich Arbeit lohnt. Das Getöse um Hartz IV sollte damit eigentlich verstummen, da ja widerlegt, aber das Getöse erfüllt einen Zweck: es suggeriert der Gesellschaft, Hartz IV ist fürchterlich, der schlimmste Abstieg, den man erleiden kann. Zusammen mit den Gruselgeschichten, die Hartz IV-Empfänger über die ARGE, die Sanktionen, die Kontrollen, die Bewerbungen, usw. erzählen, wird Hartz IV so zur Horrorvorstellung für jeden Arbeitnehmer. Und wer solche Angst vor der Arbeitslosigkeit hat und auch reell von ihr bedroht ist, der lässt sich zu Zugeständnissen drängen. Die Folge: niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen. Und genau darum geht es: einen “gefügigen” und flexiblen Niedriglohnsektor zu etablieren und zu pflegen.
Ein Spiel, bei dem alle verlieren. Die Hartz IV-Empfänger verlieren, weil sie in den Mühlen dieses Systems langsam zermahlen werden und durch Hartz IV sozial gebrandmarkt sind. Die Mitarbeiter der Jobcenter verlieren, weil sie die Aufgabe, die man ihnen gegeben hat, mit dem Werkzeug, das man ihnen gegeben hat, überhaupt nicht erfüllen können – Kobayashi Maru. Die Einkommensschwachen verlieren, denn auf sie zielen alle Maßnahmen ab, sie machen Zugeständnisse und lassen sich erpressen. Wer ein höheres Einkommen hat, ist so gut wie nie von Hartz IV betroffen und macht sich daher auch weniger Sorgen. Doch auch diese Gruppe verliert, denn sie wird von der Politik und den Medien manipuliert.
Wenn aber so viele verlieren, wer gewinnt denn dann? Zum einen gewinnt die Politik. Hartz IV eignet sich sehr gut, um sich auf Kosten der Arbeitslosen zu profilieren. Nachdem man die nach Kindern sozial schwächste Gruppe zu Schmarotzern gestempelt hat, kann man Wählerstimmen sammeln, wenn man den geblendeten Massen verspricht, den Missbrauch einzudämmen. Eine perfide Taktik, funktioniert aber. Und von allen weiteren Gewinnern profitiert indirekt auch wieder die Politik. Weitere Gewinner der Situation sind Unternehmen, denn ihnen steht ein recht großer Pool an billigen Arbeitskräften zu Verfügung, der Niedriglohnsektor, der durch Hartz IV im Zaum gehalten wird. Ebenso profitieren diverse Organisationen, Kirchen und auch Städte und Gemeinden, denn bei Ihnen stehen die 1-Euro-Jobber unter Vertrag, Arbeitskräfte, die man nicht wirklich bezahlen muss, die aber trotzdem Vollzeitstellen innehaben. Und diesen Leuten bleibt keine Wahl, um weiter uneingeschränkt Leistungen beziehen zu können, müssen sie solche Jobs annehmen. Was man früher Zwangsarbeit nannte, heißt heute 1-Euro-Job und hat für die Politik noch den schönen Nebeneffekt, dass die Arbeitslosenzahlen geschönt werden. Denn wer sich in einem 1-Euro-Job oder auch einer Weiterbildungsmaßnahme befindet, der gilt nicht als arbeitslos.
Das alles kulminiert in einer Erkenntnis: es kann keinen politischen Willen geben Hartz IV abzuschaffen, so lange die Kritiker in der Minderheit sind und das Volk sich hinters Licht führen lässt.
Zum Abschluss noch eine (einseitige) Auswahl an Artikeln, nach denen klar sein sollte, was für ein Elend Hartz IV letzten Endes ist:
Mein Problem mit Pay-TV
Verfasst von Hendrik Busch unter Unterhaltung am 10. Juli 2009
Holla, ich habe schon eine ganze Weile nichts mehr hier geschrieben. Zeit mal wieder was einzustellen. Aus aktuellem Anlass (genauer: ein Werbeanruf von Sky) soll es heute mal um das Thema Pay-TV gehen. Premiere ist ja bekanntlich vor kurzem verstorben und Sky schießt als Phönix aus der Asche. Ich hatte bisher kein Premiere-Abo und werde auch kein Sky-Abo kaufen. Warum? Ich stehe dem Thema Pay-TV eigentlich positiv gegenüber. Als Nutzer von Satellitenfernsehen ist die Auswahl an freien Programmen an sich schon hoch, aber das ein oder andere gibt es dann doch nicht zu sehen, sei es, weil es zu neu ist (z.B. Kinofilme), weil es zu speziell ist (z.B. Anime – und ich meine jetzt nicht Kinderprogramme wie Pokemon oder Yugi’Oh) oder es wird gesendet, ist aber unerträglich zu sehen wegen der ganzen Werbung. Pay-TV kann diese Lücken füllen. In Deutschland gibt es nicht wirklich viel Auswahl bei den Anbietern, also nehme ich mal Sky zur Hand. Dort gibt es einen Anime-Kanal, Spartensender wie National Geographic oder Discovery, Themensender wie 13th Street oder SciFi und dazu noch HD-Inhalte, also eigentlich genau was ich suche.
Mein Problem mit Pay-TV (war bei Premiere schon so, ist bei Sky immer noch so) ist die mangelnde Flexibilität bei der Zusammenstellung. Ich kann nicht meine Auswahl an Sendern + HD haben, ich kann nur Pakete buchen. Ich müsste auf jeden Fall ein Grundpaket buchen, in dem zahlreiche Sender zusätzlich enthalten, die mich herzlich wenig interessieren (z.B. Sport, Filmeklassiker, deutsche Krimiserien), dafür fehlt z.B. Anime. HD-Programme sind dann als Option zubuchbar. Die weiteren Sender, die mich wirklich interessieren, gibt es aber nur dann, wenn ich ein weiteres Premiumpaket dazu buche (Kinofilme, Sport, Bundesliga), denn dann wird das Grundpaket plötzlich um die Sender erweitert. Als DVD-Sammler interessieren mich Kinofilme im Fernsehen (auch im Pay-TV) herzlich wenig und Sport-Fan bin ich ohnehin nicht. Also müsste ich ein Premiumpaket buchen, dass ich gar nicht haben will, nur um Sender zu bekommen, die ich anders nicht buchen kann. Wenn das preislich erträglich wäre, würde ich das ja sogar machen, aber in der Zusammenstellung ist man schon bei über 40 Euro monatlich, mir persönlich einfach zu viel.
Warum ist das so? Ich persönlich vermute, dass die horrenden Lizenzgebühren für die Bundesliga irgendwie querfinanziert werden müssen und deshalb eine Wahlfreiheit eine Gefahr für das Geschäftsmodell darstellt. Zudem herrschen hier in Deutschland andere Voraussetzungen. In England bietet Sky die entsprechende Wahlfreiheit bei moderaten Preisen, dort kommt man um Pay-TV allerdings auch kaum herum, denn dort ist die Auswahl an frei verfügbaren Sendern minimal.
Fazit: ich werde sofort Pay-TV-Kunde, wenn ich meine Wunschsender + HD ohne größeren “Ballast” zu einem akzeptablen Preis (< 30 Euro/Monat) buchen kann. Leider scheint das noch eine Weile zu dauern.
Star Trek 11
Verfasst von Hendrik Busch unter Boxoffice am 13. Mai 2009
Bin gerade aus dem Kino zurückgekommen und habe dort Star Trek 11 gesehen. Nach Jahren mal wieder ein neuer Star Trek Film. Kann das was werden? Ich war zunächst sehr skeptisch, besonders nachdem ich einige Kritiken gelesen hatte, die sich u.a. darüber ausließen, dass der junge Kirk so gar nicht dem allgemein bekannten entspricht, der junge Sulu nicht aussieht wie der alte Sulu, verschiedene Szenen geradezu wie Star Wars wirken und und und. Besonders irritiert hatte mich die Aussage des Regisseurs, J.J. Abrams, er sei kein sonderlich großer Trekkie, er hätte aber einige Geschichten in Erinnerung, die er gerne erzählen wolle. “Sakrileg!” wollte ich damals rufen, “wie kann man so jemanden mit so einer Einstellung das Star Trek-Erbe anvertrauen?”
Zwischen diesem Interview und meinem Kinobesuch erschien die Blu-Ray-Box mit den ersten sechs Filmen und jeder Menge Bonusmaterial. Da ich bisher keinen einzigen der alten Filme auf DVD hatte, habe ich bei der Box direkt zugeschlagen (die übrigens in UK etwa 20% billiger ist als in DE, für die identischen Discs wohlgemerkt, aber das nur am Rande) und mich durch das Bonusmaterial gewühlt. Die ernüchternde Erkenntnis war, dass bei den Filmen, die von uns Trekkies (ich stehe dazu) als “Heiligtum” vereehrt, auch in erster Linie Leute Regie geführt haben, die vorher herzlich wenig mit Star Trek zu tun hatten. Robert Wise drehte seinerzeit “Star Trek – The Motion Picture”, ein Film mit guter Story aber nicht unbedingt geglückter Umsetzung. Der zweite Teil wurde dann von Nicholas Meyer unter der Federführung von Harve Bennett zum Erfolg geführt, und das obwohl Benett erstmal die komplette TV-Serie nachholen musste. Frei nach dem Motto “gleiches Recht für alle” war ich danach deutlich eher bereit, dem neuen Star Trek eine Chance zu geben.
Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte a) dies nachholen und b) nicht weiterlesen. SPOILERS AHEAD. YOU HAVE BEEN WARNED.





