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Feiertage – ignorierter Wertewandel
Verfasst von Hendrik Busch unter Real Life am 18. April 2011
Im heutigen Tagesgespräch auf WDR5 wurde intensiv darüber diskutiert, ob ein stiller Feiertag wie Karfreitag in der heutigen Zeit noch angemessen ist, oder ob die Gesellschaft nicht auf die Bevormundung durch eine religiöse Gruppe verzichten kann. Studiogast war Arndt Brummer von der evangelischen Zeitschrift Chrismon.
Durch einige Hörer, vor allem aber durch den Studiogast selber wurde häufig die Aussage “wenn man keinen stillen Feiertag wie den Karfreitag akzeptieren kann, dann möge man doch bitte gleich alle religiösen Feiertage und auch noch den Sonntag abschaffen und dann die Gewerkschaften über mehr Urlaub verhandeln lassen” kolportiert.
Hier meine zwei Cent Meinung dazu: die Argumentation, dass jemand, der die christliche Bedeutung der Feiertage nicht anerkennen will, gefälligst auf alle solchen Feiertage und auch gleich den Sonntag verzichten solle, blendet einen aus meiner Sicht sehr wichtigen Punkt aus, nämlich die Trennung von Ursprung und Bedeutung solcher Tage. Ja, richtig, die meisten Feiertage – mit Ausnahme des 1. Mai und des 3. Oktobers – sind christlichen Ursprungs, ebenso wie die Sonderstellung des Sonntags. Die Bedeutung dieser Tage für den durchschnittlichen Bürger hingegen hat in den meisten Fällen rein gar nichts mehr mit dem Christentum zu tun. Folglich muss ein Ablehnen der christlichen Bedeutung diese Tage nicht gleichzeitig einen Verzicht auf die Tage selber mit sich bringen. Das wäre in etwa so wie zu behaupten, das Konzept der Nächstenliebe wäre unabdingbar an die Religion geknüpft und Agnostiker und Atheisten wären daher nicht zu Nächstenliebe fähig.
Fakt ist: seit der ursprünglichen Einführung dieser Feiertage und der Sonderstellung des Sonntags, hat sich die Gesellschaft massiv gewandelt. Im finsteren Mittelalter, als Unwissenheit und Analphabetismus noch an der Tagesordnung waren, war die Religion von fundamentaler Bedeutung, um das Machtgefüge zu erhalten. Je weiter aber die Aufklärung und die Möglichkeiten des Einzelnen, sich selbst zu verwirklichen, voranschreiten, desto mehr wird Religion zu einem Auslaufmodell. Richard Dawkins sagte dazu mal sehr passend:
“We are all atheists about most of the gods that humanity has ever believed in. Some of us just go one god further.”
Unbestreitbar hat Religion unsere Kultur geprägt. Wer das aber als Rechtfertigung für das Aufrechterhalten von Gängeleien an solchen Feiertagen oder gar die weitere Daseinsberechtigung dieser Feiertage knüpft, der solle sich vor Augen führen, dass unsere Gesellschaft auch von ganz anderen Dingen geprägt wurden, für die keiner einen Feiertag einfordert.
Wie wäre es denn mit Feiertagen für
- die erste Mondlandung
- die Erfindung des Transistors
- das Bohr’sche Atommodell
- die Erfindung der doppelten Buchführung
- Einsteins Relativitätstheorie
- die erste verschickte E-Mail
- das Ende der Apartheid
- Gandhis Sieg über die englische Kolonialherrschaft
- usw.
All dies sind Dinge, die auch unbestreitbar unsere Gesellschaft geprägt haben. Und trotzdem gibt es dafür keine Feiertage und auch niemand fordert sie. Und wieso? Weil die bisherigen Feiertage völlig ausreichen. Nicht wegen ihrer christlichen Bedeutung, sondern einfach weil frei ist.
Bürgerentscheid: Münster und die Musikhalle
Verfasst von Hendrik Busch unter Real Life, Unterhaltung am 2. April 2008
Heute kamen die offiziellen Abstimmungsunterlagen für den seit Monaten umstrittenen Bau der Musikhalle und dem Bürgerentscheid gegen die städtische Beteiligung an diesem Projekt.
Worum genau geht es? Um das nicht alles hier wiedergeben zu müssen, verweise ich mal auf diesen Artikel bei Westline. Die Gegner der städtischen Beteiligung an der Musikhalle haben mit 24.427 Unterschriften einen Bürgerentscheid zu dem Thema erzwungen. Entschieden wird am 27. April über folgende Frage:
Soll der Ratsbeschluss vom 24.10.2007 zur Finanzierung einer Kultur- und Kongresshalle aufgehoben werden und die Stadt Münster kein Geld für den Bau und Betrieb einer Kultur- und Kongresshalle auf dem Hindenburgplatz ausgeben.
Die m.A. etwas unglückliche Formulierung rührt aus der Position der Antragsteller her. Wer also keine Musikhalle will, der muss mit Ja stimmen.
Obwohl ich jetzt schon mehrere Jahre in Münster wohne, muss ich gestehen, dass ich keinen wirklichen Draht zur Lokalpolitik habe. Als ich das erste Mal vom Bau dieser Halle hörte, war mein erster Gedanke “Wieso?”. Ich belege zur Zeit immer noch einen Schwedischkurs der VHS, der im Schlaun-Gymnasium stattfindet. Die VHS muss wegen reduzierter städtischer Förderung schon die Preise erhöhen und streicht Kurse mit wenigen Teilnehmern (gefühlt < 15) aus dem Programm. Das Schlaun-Gymnasium soll geschlossen werden (und das obwohl es zentral in einer Nebenstraße des Bült liegt). Hier in Nienberge, dem Vorort in dem ich wohne, wurde das Freibad geschlossen. Das alles sind die Beobachtungen, die ich schon gemacht habe, obwohl ich mich eigentlich nicht nennenswert involviere. Aus meiner Sicht hat die Stadt ganz andere Probleme als eine fehlende Kultur- und Kongresshalle.
Diese Halle fehlt aber eigentlich gar nicht, es gibt sie bereits, in Form der Halle Münsterland am Albersloher Weg. Sie fasst je nach Event bis zu 6500 Personen und dort finden Konzerte, Messen und Kongresse statt. Direkt daneben befinden sich mehrere Parkhäuser und ein Hotel. Wo bitte also ist der Bedarf für eine zusätzliche Halle?
Die neue Halle würde auf dem Hindenburgplatz gebaut. Dort vernichtet sie Parkplatzfläche (mit dem evtl. geplanten Hotel gleich doppelt soviel) und reduziert die verfügbare Fläche für den Send (was laut Befürwortern kein Problem darstellt. Ich sehe noch nicht ganz, wie sich ein großes Volksfest und die Halle gleichzeitig vertragen.).
Hier noch die Seiten zum Pro und Contra:
- Bürgerinitiative Keine städtische Finanzierung einer Kultur- und Kongresshalle (Musikhalle) auf dem Hindenburgplatz
- Kultur- und Kongresshalle für Münster
Ich stimme JA, und damit NEIN zur Musikhalle.









