Tag-Archive: tron

Tron: Legacy

Ich bin gerade aus dem Kino zurück gekommen, nachdem letzte Woche der Action-Klamauk Green Hornet auf dem Programm stand, war es heute Tron: Legacy. Und ich sage es direkt heraus, auch wenn zahlreiche Kinogänger mir widersprechen werden: Tron: Legacy ist für mich der beste Film der letzten Zeit.

Ich bin relativ spät zum “alten”, ersten Tron gekommen, das ist höchstens 5 Jahre her. Aus heutiger Sicht sind die Effekte mies gewesen und man mag über die Story schmunzeln, dennoch hatte mich der Film damals gepackt, weil er so anders war als alles andere. Diese synthetische Welt war optisch und auch bedeutungsmäßig völlig vom Mainstrem-Kino losgelöst und hat mich voll in ihren Bann gezogen.

Daher freut es mich besonders zu sagen, dass Tron: Legacy ein würdiger Nachfolger geworden ist. Gut, er bedient auch die klassischen Klischees, denen sich der Ur-Tron damals verwehrte: schnelle Fahrzeuge aller Art, sexy Frauen in engen Outfits und jede Menge Action, bei der alles in kleinste “digitale Blöcke” zerspringt und dann mit einem Sound ähnlich wie dem von berstendem Glas in der Umgebung verstreut wird. Aber die eigentliche Welt von Tron, sie ist immer noch da, strahlender und stylischer, zeitgemäß. Es wäre leicht gewesen einen Stilbruch herbeizuführen, absichtlich oder unabsichtlich, aber man hat es geschafft, die Welt von damals einfach konsequent in die Neuzeit zu überführen.

Die beste Idee, die den Produzenten überhaupt einfiel, war, den Leuten von Daft Punk die Erstellung des Soundtracks zu überlassen. Erst die Techno/Trance/Electro/Synthi-Klänge von Daft Punk machen die Tron-Welt komplett. Wer optisch so völlig andersartig ist, der kann keinen Hans Zimmer oder John Williams engagieren. Obwohl ich eigentlich Metaller der alten Schule bin (sprich europäisches Power Metal, deutsches Speed Metal), mochte ich Daft Punk schon immer. Der Tron: Legacy-Soundtrack könnte die erste CD von denen werden, die ich kaufe.

Was gibts sonst noch? Gleich zweimal Jeff Bridges. Einen jungen und einen alten, wobei der junge sogar recht gut gelungen aussieht, wenn er nicht die Mimik eines Charakters aus Shrek o.ä. hätte. Das stört das Gesamtbild dann doch leider. Vor allem wenn man sich ansieht, was schon möglich ist. Ich verweise hier mal auf die Backstage-Videos zu LA Noire. Auch Bruce Boxleitner, der damals den Titelhelden Tron verkörperte, hat man digital verjüngt, allerdings sieht man ihn nie scharf und aus der Nähe, man hat ihm also nur die Low-Budget-Verjüngung zukommen lassen.

Die Story des Films ist auch OK, ich habe mich nirgends gelangweilt, aber sie ist mir nicht episch genug. Ich mag Filme, deren Story einen eher langen Zeitraum erzählt, bei denen man aber das Gefühl hat, man würde eigentlich einen viel längeren Film sehen, weil die Macher die Balance zwischen Detailtiefe und Erzählgeschwindigkeit gefunden haben.

Fazit: wer den ersten Tron schon nicht mochte, der sollte sich diesen Film auch sparen. Viel zu wenig wird auf die Wies und Warums eingegangen. Wer allerdings damals schon fasziniert war und dadurch über kleinere Schwächen hinwegsehen konnte, der findet hier einen prima Nachfolger und stellt sich nachher die Frage, warum man den nicht schon eher gedreht hat.