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Die Mär vom Terror – Reloaded

Ich bin ein paar Tage mit dem Beitrag hinter dem Zeitgeschehen her, bringe ihn aber trotzdem noch, da das behandelte Thema immer noch aktuell ist.

Deutschland hat also seinen nächsten Terrorfall. Einen Somalier und einen Deutschen somalischer Abstammung sind in einem abflugbereiten Flugzeug auf dem Flughafen Köln/Bonn verhaftet worden. Das ist aber auch so ziemlich die einzige gesicherte Information. Und selbst die mutierte zunächst in den Medien zur reißerischen und öffentlichkeitswirksamen “Flugzeugerstürmung“. Die Wahrheit war viel unspektakulärer. Polizisten in Zivil betraten die Maschine und haben die beiden Männer nach draußen gebeten und dort verhaftet. Beide haben sich der Verhaftung nicht widersetzt und das ganze lief so ruhig ab, dass nicht einmal alle Fluggäste was davon mitbekommen haben bis sie selber die Maschine verlassen mussten.

Was genau die beiden Verdächtigen vorhatten, kann man anhand der einzelnen Nachrichtenmeldungen nur bedingt zu beurteilen, aber einige Kernpunkte werden in verschiedenen Quellen wiederholt: Die Verdächtigen wollten in die Niederlande fliegen und von dort dann über Uganda nach Pakistan, angeblich in ein Terrorcamp der Islamistischen Jihad Union. Sie sollen Abschiedsbriefe zurückgelassen und sich von ihren Familien verabschiedet haben, um in den Heiligen Krieg zu ziehen.

Das Ganze erscheint, wie auch die Sache im Sauerland, merkwürdig. Fangen wir mal hinten an: es ist immer noch stark umstritten, ob die Islamistische Jihad Union überhaupt eine real existierende Terrororganisation ist. Ich will das Thema aber nicht nochmal aufrollen sondern verweise mal an meinen alten Beitrag oder Telepolis (der Absatz “Offene Fragen”). Treibende Kraft ist also eine vermeintliche Terrororganisation mit guten Verbindungen zu Al Qaida, die aus Usbekistan stammt, ihre Veröffentlichungen einzig in türkisch auf einer türkischen Webseite macht und ein Terrorcamp in Pakistan unterhält. Diese Länder liegen nicht wirklich nah beiander, auch wenn Usbekistan an Afghanistan und letzteres wiederum an Pakistan grenzt. Und wenn die Gruppe, wie Spiegel Online zu wissen meint, bereits von verschiedenen Geheimdiensten unterwandert wurde, wie kann es dann sein, dass sie immer noch Leute ausbildet und auf Missionen schickt und der Staatsapparat so spät darauf reagiert?

Wen man annimmt, dass die IJU wirklich existiert, könnte jetzt ketzerisch annehmen, der Staat habe zumindest latentes Interesse, den Terrorvorbereitungen erstmal nicht im Wege zu stehen, um dann zu einem viel brenzligeren Zeitpunkt zuzuschlagen und die aus dem Zugriff resultierenden Schockwellen in der Öffentlichkeit für sich zu nutzen. Man mag mich als paranoid bezeichnen, aber solche Vorkommnisse sind Wasser auf die Mühlen von Schäuble & Co. und es fördert verschiedene Themen wie z.B. die biometrischen Pässe, die Voratsdatenspeicherung aber auch den Wahlkampf.

Daraus könnte sich auch das nach meiner Auffassung geringe Interesse des Staates an der nachhaltigen Aufklärung solcher Terrorvorbereitungen erklären. Man könnte fast meinen, der Staat habe kein wirkliches Interesse diese Dinge zeitnah und präzise aufzuklären. Ähnlich wie die USA, die Bin Laden nicht finden, weil sie ihm in einem rechtsstaatlichen Prozess ohnehin nichts nachweisen könnten, scheint es auch hier einfacher zu sein, Terroristen spektakulär und medienwirksam festzusetzen und dann erstmal wieder ein paar Gänge runterzuschalten. Die Anti-Terror-Gesetzgebung, allen voran §129a, macht solche Verfahren erst möglich, in den 80ern hätte man alle Verdächtigen laufen lassen müssen, weil der Verdacht, dass jemand etwas gewollt haben könnte im Normalfall nicht für Prozess und Haft ausreicht.

Abschließend verweise ich noch auf zwei gute Telepolis-Artikel rund um diesen Themenkomplex:

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